Cybercrime auf dem Vormarsch

Dies ist die übereinstimmende Aussage der beiden jüngst veröffentlichten Studien von PwC auf nationaler bzw. globaler Ebene zur Entwicklung der Wirtschaftskriminalität.

Wirtschaftskriminalität in der analogen und der digitalen Wirtschaft 2016

so der Titel der deutschen Studie. Darin gab gut ein Drittel der 720 in Deutschland befragten Unternehmen an, von Cybercrime betroffen zu sein; die Verdachtsfälle liegen sogar bei knapp 50 %. In der globalen Studie liegt die Vergleichszahl bei 32 %.

Korruption leicht rückläufig

Für mich eher überraschend der leichte Rückgang bei Korruptionsdelikten. Zwar haben die Verdachtsfälle zugenommen, was nachvollziehbar auf das steigende Problembewußtsein und die zunehmende Etablierung von Antikorruptionsmaßnahmen zurückgeführt wird, die „echten Fälle“ gingen aber leicht zurück. Gerade weil entsprechende Maßnahmen derzeit in vielen Unternehmen erst etabliert werden, sollte, die Wirksamkeit der ergriffenen Maßnahmen unterstellt, aber meines Erachtens noch ein Anstieg der entdeckten Fälle zu erwarten sein.

Schadenshöhe im Durchschnitt 1,5 Mio Euro

Die Höhe des durchschnittlichen Schäden bei Wirtschaftsdelikten ist stark von der Unternehmensgröße abhängig und beginnt bei 150 T€ (500-999 Mitarbeiter) und geht bis 4.440T€ (über 10.000 Mitarbeiter). Der Mittelwert über alle befragten Unternehmen liegt bei 1.550 T€. Hier mag nun jeder selbst rechnen, ob sich Einsparungen oder gar die „Ersparung“ eines CMS lohnen.

Druck auf Zulieferer wächst

Während etwa 83 % der Unternehmen mit über 10.000 Mitarbeitern Antikorruptionsprogramme etabliert haben, sind es bei Unternehmen mit bis zu 1.000 Mitarbeitern erst 35 %. Hier werden die Anforderungen steigen und Ende des Jahres durch die Umsetzung der CSR-Richtlinie nochmals einen Schub bekommen. Im Bereich des Kartellrechts ist der Befund vergleichbar, wenngleich die Zahlen angesichts der dort drohenden Strafen, offen gestanden, erschreckend wirken. So haben gerade einmal 71 % der Unternehmen der größten Kategorie und nur 21 % der untersten Größenklasse Kartellrechtsprogramme etabliert. Aus meiner Sicht ein Spiel mit dem Feuer.

Die globale Studie

Adjusting the Lens on Economic Crime

legt den Fokus auf Cybercrime, Geldwäsche und die Verbindung von Unternehmensethik und Compliance.

Ein beachtliches Ergebnis aus dem ersten Bereich: Zwar sind 61% der CEOs besorgt, dass ihr Unternehmen von Cybercrime betroffen sein könnte, aber nur 37 % der befragten Unternehmen verfügen über einen Reaktionsplan im Falle eines Cyber-Angriffs.

Zumindest bemerkenswert auch die Zahlen zu Schulungen zum Code of Conduct in den einzelnen Regionen der Welt. Im Schnitt 64 % der Befragten gaben an, dass sie regelmäßig zu den Verhaltensstandards und Unternehmenswerten geschult werden. Das obere Ende lag bei 69% in Lateinamerika und dem Asien-Pazifik-Raum. Das untere Ende bildet Westeuropa mit 56 %.  Da aber 82 % der Unternehmen angaben, entsprechende Standards im Unternehmen etabliert zu haben, scheinen diese offenbar für viele der Unternehmen selbsterklärend zu sein.

Ein Gedanke zu “Cybercrime auf dem Vormarsch

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