Compliance und geplante Obsoleszenz

Angeregt von einer TV-Dokumentation auf arte (Kaufen für die Müllhalde) möchte ich die Frage aufwerfen, ob wir uns dem betriebswirtschaftlichen Phänomen der geplanten Obsoleszenz auch aus Sicht der Compliance nähern sollten. Anders gefragt: Ist geplante Obsolenszenz integer?

Bereits in den 30ger Jahren kamen US-amerikanische Untenehmen auf den Gedanken, dass ein Wettbewerb um das beste, weil langlebigste Produkt weit weniger einträglich wäre, als gemeinsam die Lebensdauer des Produkts zu begrenzen, und so den Umsatz aller zu erhöhen. So wurde die Lebensdauer der Glühbirne durch kartellierte Strafzahlungen auf 1000 Stunden im  sog. Phoebuskartell reduziert. Dass es anders geht, beweist seit dem 08. Januar 1901 eine Glühbirne in Kalifornien. Das Kartell wurde 1942 juristisch beendet, die Lebensdauer der Glühbirne aber nie wieder erhöht.

Bereits in den 60er Jahren begann die wissenschaftliche Betrachtung mit Vance Packards Buch „The Waste Makers“. Auch die deutsche Juristerei hat sich mittlerweile mit der Frage unter dem Gesichtspunkt des Gewährleistungsrechts und der zivilrechtlichen Pflicht, Ersatzteile anzubieten und vorzuhalten, beschäftigt.

In Deutschland hat sich das Umweltbundesamt immerhin mit 2 Studien dem Thema empirisch genähert. Frankreich ist da schon einen Schritt weiter und kennt seit 2015 eine Strafnorm (Artikel L.213-4-1 Verbrauchergesetzbuch) , die sogar eine Haftstrafe bis zu 2 Jahren vorsieht.

Geplante Obsoleszenz begegnet uns heute in vielen Beispielen. Zu den bekanntesten zählen nicht austauschbare Akkus oder etwa Druckerpatronen. Ist dies ein Thema, dem wir uns unter den Gesichtspunten Compliance und Nachhaltigkeit nähern sollten? Ein paar Jahre vor dem 100. Geburtstag dieser Facette der Nachfragesteuerung meine ich JA. Ein Unternehmen, das sich heute der Nachhaltigkeit verschreibt, kann nicht zugleich Produktlebenszyklen entgegen der tatsächlichen Lebensdauer der Bestandteile steuern, um wirtschaftlich. erfolgreich zu sein.

Wie sehen Sie das?

2 Gedanken zu “Compliance und geplante Obsoleszenz

  1. Ich greife die Frage mal auf, weil mich neben der Vermutung ob es geplante Obsoleszenz gibt oder nicht vielmehr interessiert wie den ein konkreter Nachweis einer “vorsätzlichen” Planung erfolgen kann? In Frankreich steht man gerade vor diesem Problem, das “intendiertes Handeln” den Unternehmen in Sachen Konsumententäuschung nachgewiesen werden muss, was in der Praxis gar nicht so einfach ist, weil man ja nicht nur Bewertungskriterien für das Produkt sondern auch des “Planers” dahinter braucht.

    Durch Interviews mit den vermeintlichen “Planern” mussten mein Kollege und ich zu dem Schluss kommen, das kürzere Produktlebensdauern eher eine Folge von ganz anderen Motiven bei der Produktentwicklung ist: knappe Entwicklungszeiten, Zunahme der technischen Komplexität, Abnahme der Fertigungstiefen, Fuscherei usw. Hierzu gerne mehr:
    https://sustainum.de/geplante-obsoleszenz-wer-sind-diese-planer/

    Ich halte den sicheren Nachweis von vorsätzlich “kaputt” geplanten Produkten daher für kaum durchführbar bzw. unnötig kompliziert. Womöglich gibt es Einzelfälle in den der Nachweis möglich wäre – aber selbst dann können Hersteller immer noch dementieren, indem sie es über den Preis rechtfertigen. Wer eine neue Waschmaschine für 230€ kauft kann eben nicht 10 Jahre Haltbarkeit erwarten.

    Die zentrale Frage für mich ist demnach: Wie kann man Unternehmen verpflichten keine schlechten Produkte herzustellen?

  2. Vielen Dank für Ihren Kommentar. Die genaue Klärung mag sicher in Einzelfällen schwierig sein, mir geht es aber im ersten Schritt mehr um die grundsätzliche Frage. Ist es mit integrem Wirtschaften vereinbar bewußt, den Lebenszyklus eines Produkts zu verkürzen, ohne, dies sei unterstellt, dadurch einen mindestens äquivalenten Produktvorteil zu erreichen. Der Vorteil eines nicht austauschbaren Akkus erschließt sich, z.B., nicht ohne Weiteres, mag aber exisitieren. Dass das Gerät in jedem Fall nur solange funktionieren würde, wie der Akku, der es mit Strom versorgt, wage ich aus Laiensicht zu bezweifeln.

    Weitere Infos zum Thema finden sich auch auf
    http://www.schridde.org/

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